Seit fast 600 Jahren wird an der Schlei versucht, mit „Heringszäunen“ den begehrten Fisch im Frühjahr in die Falle zu locken. Doch der letzte Heringszaun Europas in Kappeln ist schon lange marode, von Bohrmuscheln zerfressen, von Eisgang und Stürmen zerschmettert. Seit 2013 plant die Stadt  deshalb eine Rund-Erneuerung. Fehlende Finanzmittel, ein aufwendiges Genehmigungsverfahren, Auflagen von Denkmal- und Naturschutz, steigende Preise und die europaweite Ausschreibung führten dazu, dass erst im Februar 2021 mit dem Bau begonnen wird.

Doch damit fangen die Probleme erst an: denn niemand weiß heute mehr, wie so ein Heringszaun nach historischem Vorbild genau gebaut wird. Niemand? Nein! Ein unbeugsamer Anwohner ist der letzte: denn die Familie von Peter Grieve war bis 1954 Pächterin des „Ellenberger Heringszauns“. Eingemeindet wurde das Dorf erst viel später in die Stadt auf der anderen Schleiseite – das ist dem streitbaren Hobby-Forscher wichtig. Fast täglich überwacht er mit kritischem Blick den Neubau. Denn statt schlanker Eschenstämme aus der Region wie in seiner Jugend werden jetzt dreimal so dicke Eukalyptuspfähle aus Südafrika in den Schleigrund gerammt – die bieten der gefräßigen Bohrmuschel mehr Widerstand. Und statt langer Haselnuss-Stangen werden dazwischen jetzt Weidenruten geflochten. Ein Stilbruch, kritisiert er: „Mit dem historischen Heringszaun hat das nichts mehr viel zu tun!“.

Die Baufirmen dagegen haben vor allem mit dem Flachwasser am Ellenberger Schleiufer zu kämpfen. Ein Schwimmponton mit schwerem Baugerät kommt am ersten Tag gar nicht ran an den Bauplatz – zu viel Tiefgang…

Mit Mitteln der „Moin“ Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die_nordreportage/Europas-letzter-Heringszaun,sendung1148122.html

ESD: 19.04.2021